Zwerg-Rheinländer:

Herkunft und Zuchtgeschichte der Zwerg-Rheinländer

Die Entstehung der Zwerg-Rheinländer datiert, wie die vieler anderer verzwergter Rassen auch, in die Zeit des Ersten Weltkrieges. Grund dafür war die damalige Futterknappheit, die viele Züchter dazu nötigte, auf die Haltung von Zwerghühnern umzustellen. Davon betroffen war auch Ewald Camphausen aus Bamenohl als Züchter großer Rheinländer, der ab 1916 mit der Herauszüchtung der Zwergform begann und so den Grundstein für die Entstehung der Rasse legte. Er besorgte sich aus der näheren Umgebung damals noch häufig vorkommende Landzwerghühner, wie sie auch die Basis unserer heutigen Deutschen Zwerghühner darstellten, darunter eine rosenkämmige, dunkle Henne. Aus der Verpaarung dieser Tiere mit seinen Rheinländern erhielt er einen Hahn, der bereits die typischen Rassemerkmale verkörperte. Da geeignete Hennen weitgehend fehlten, setzte er diesen Hahn fünf Jahre lang in die Zucht ein. 1921 dann konnte er erstmals Tiere auf der Lipsia-Schau in Leipzig zeigen, die bereits großes Interesse fanden und zugleich den Besitzer wechselten.


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In den folgenden beiden Jahren konnte sich die Rasse weiter verbreiten und 1923 kam es dann in Leipzig vor dem Hintergrund einer zahlenmäßig schon sehr starken Kollektion zur Gründung des Sondervereins, dem sich seinerzeit 11 Zuchtfreunde anschlossen. Zum 1. Vorsitzenden wurde Karl Lohmann gewählt, der dieses Amt dann weitere 40 Jahre innehatte. Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Zahl der Mitglieder auf über 100 angewachsen mit Hochburgen in Westfalen, Sachsen und Thüringen. Gefördert wurde diese Entwicklung durch die Leistungsprüfungen in Cröllwitz und Hamm in den Jahren 1940 und 1941, wo die Zwerg-Rheinländer-Hennen im Durchschnitt 137 Eier in 350 Tagen bei Maximalwerten von 162 und 165 legten. Ein sehr gutes Ergebnis, lag doch damals der Durchschnittswert bei den Leistungsrassen bei lediglich 140 Eiern.

Weiße Zwerg-Rheinländer wurden erstmals 1930 anlässlich der Deutschen Junggeflügelschau in Hannover vorgestellt, wobei nicht klar ist, ob es sich dabei um Zufallsprodukte aus den Schwarzen oder eine gezielte Züchtung handelt.

Kurz darauf, im Jahr 1932 erfolgte schließlich die Anerkennung der Rasse durch den Bund Deutscher Geflügelzüchter, in beiden bis dato vorhandenen Farbenschlägen. Dies hatte den Vorteil, dass Zwerg-Rheinländer nun auf allen Schauen ausgestellt werden konnten.

Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg kam die Zucht in weiten Teilen zum Erliegen und musste mühsam wieder aufgebaut werden, bis schließlich in den 1960er Jahren das alte Niveau wieder erreicht wurde. Zur ersten Bundesschau 1963 in Hildesheim wurden 320 Einzeltiere und je eine Voliere in den Farbenschlägen Schwarz, Weiß und Blau gezeigt.

Die Weißen hatten den Krieg nur in ihren Zuchtschwerpunkten in Thüringen und Sachsen überlebt. Wenn auch wohl einzelne Stämme nach Westdeutschland eingeführt wurden, konnte sich der Farbenschlag zunächst nicht etablieren, sodass er hier erneut herausgezüchtet werden musste. 1952 präsentierte Dieter Schröer aus Pelkum bei Hamm 1,1 zur Nationalen in Frankfurt. Unabhängig davon begann 1954 Karl Brandes aus Adenstedt mit der Zucht, wobei er zu Anfangs weiße Deutsche Zwerghühner einkreuzte. Nachdem er mit den Ergebnissen nicht zufrieden war, startete er im Folgejahr einen zweiten Versuch mit weißen Zwerg-Italiener-Hennen, der sich als erfolgreicher erwies. 1958 zeigte er erstmals einen Hahn und eine Henne in Hannover. Seitdem konnte diese Farbvariante nach und nach gefestigt werden. Hin und wieder fallen aus der Zucht der Schwarzen auch weiße Tiere, was auf Kreuzungen beider Färbungen in der Vergangenheit zurückzuführen ist. Solche Tiere sind für die Weiterzucht besonders wertvoll, da sie das hohe Niveau der Schwarzen, besonders bezüglich Form, Federreichtum und Federbreite verkörpern.

Nach den Weißen folgten die Blau-Gesäumten. Auch an ihrer Entstehung hatte der ehemalige Vorsitzende Karl Brandes großen Anteil. 1956 erhielt er von Dieter Schröer 1,1 blau-gesäumte Rheinländer, die in ihrer Größe zwischen der Großrasse und Zwergform standen. Aus deren Verpaarung mit schwarzen und weißen Zwerg-Rheinländern fielen bereits in Form, Größe und Farbe typische Tiere. Die Anerkennung erfolgte 1960.

Rebhuhnhalsige wurden bereits in den 1950er Jahren bei Dieter Schröer gezüchtet, jedoch verliert sich später ihre Spur. Die erneute Herauszüchtung begann 1964, als Gustav Bäuerle aus Esslingen einen großen rebhuhnhalsigen Hahn mit einer schwarzen Zwerghenne verpaarte. Die Nachzucht daraus paarte er an einen wildfarbigen Deutschen Zwerghahn an. Später kam erneut ein großer rebhuhnhalsiger Hahn zum Einsatz. Nachdem noch weitere Züchter hinzukamen, erfolgte 1971 die Anerkennung.

Gesperberte wurden schon 1951 in Hannover ausgestellt, dann erneut wieder 1963 zu ersten Bundesschau. Die Herauszüchtung nahmen Otto Hermjakob aus Steinhagen mit gestreiften Zwerg-Italienern und Heinrich Völkening aus Kamen mit gestreiften Deutschen Zwerg-Reichshühner vor. Weiterhin an der Zucht beteiligt war Diethelm Schröer. Die Anerkennung konnte schließlich anlässlich der Nationalen in Bremen 1973 vollzogen werden.

 


Bilder der ersten Zwerg-Rheinländer:

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Die Entstehung der Silberhalsigen begann in den 1990er Jahren beim ehemaligen Vorsitzenden Erwin Born in Buschhütten im Siegerland. Die Basis bildeten zunächst schwarze Zwerg-Rheinländer, silberfarbige Zwerg-Italiener und silberhalsige Zwerg-Kraienköppe. Nach dem Tod von Erwin Born übernahm Hermann Wissing aus Vreden die Zucht und frischte sie mit silberhalsigen Landzwerghühnern aus den benachbarten Niederlanden auf. 2001 konnten sie anerkannt werden.

 

Später kamen dann noch die Farbenschläge kennfarbig, blau-rebhuhnhalsig, blau-silberhalsig und weiß-schwarzcolumbia hinzu. Sie entstanden überwiegend aus der Kombination der bereits vorhandenen Farbenschläge gesperbert, rebhuhnhalsig, silberhalsig und blau-gesäumt bzw. unter Hinzunahme von Zwerg-Italienern (weiß-schwarzcolumbia).